Besuch im Herztier-Heim (Juli 2005)
ein Bericht von Winnie

Mein Herz klopft aufgeregt und wie jedes Mal vor einem Flug merke ich, wie die nervöse Unruhe in mir aufsteigt. Es ist Donnerstagabend und ich sitze zusammen mit meiner 11-jährigen Tochter Lena und unserer Helferin Gabi, die ebenfalls ihre 5-jährige Tochter Tabea mitnimmt, im Auto auf dem Weg zum Kölner Flughafen. Gabis Bruder hat sich bereit erklärt uns zu fahren.

Dort angekommen wartet schon Petra auf uns, die unser Gepäck zum Flughafen gebracht hat. Ganz alleine hat sie neun schwere Koffer und Reisetaschen, in denen sich insgesamt 230 kg Hunde- und Katzenfutter befinden, auf die Gepäckwagen verladen. Ein kurzes Gespräch und dann eine herzliche Verabschiedung von Petra. Wir machen uns auf den Weg ins Flughafengebäude.

Wir suchen unseren Schalter für den Check-in und finden ihn nach einem kleinen Irrweg. Natürlich sind wir viel zu früh und müssen warten, bis er besetzt wird. Als es soweit ist, sind wir schnell an der Reihe. Es ist spät, unser Flugzeug startet nach 0 Uhr mitten in der Nacht und landet sicher um 4:15 Uhr morgens in Antalya.

Ich bin froh, wieder festen Boden unter den Füßen zu haben und wundere mich, wie schwül und heiß die Luft sogar in den frühen Morgenstunden ist. Vor dem Flughafengebäude wartet Marion auf uns. Ich falle ihr in die Arme und bin glücklich, sie nach über vier Monaten endlich wieder zu sehen. Große Begrüßung auch zwischen Marion, Gabi und die Kindern, während Sülley mit dem Bus vorfährt. Und los geht die Fahrt zum Tierheim.
 

Wir sind alle sehr müde, aber wollen nicht mehr schlafen. Vor dem Tierheim werden wir von Jessy begrüßt, die hier alles bewacht und nur noch drei Beine hat. Eine freundliche und zufriedene Hündin, die trotz ihrer Behinderung gut zurecht kommt. Neugierig wandern unsere Blicke durch das Haus, die Gehege und das Katzenhaus, welches für die nächsten drei Tage Lenas Hauptaufenthaltsort wird. Endlich sehen wir die Hunde, die wir bisher nur von Fotos kennen - Uschi ist viel kleiner, als wir uns vorgestellt haben. Alle begrüßen uns freundlich mit lautem Gebell und strecken ihre Pfoten an den Zaun. Sie möchten gestreichelt werden und schlecken unsere Hände ab.

Wir sind begeistert, wie schön das Tierheim ist. Den Hunden und Katzen wurde hier ein kleines Paradies geschaffen. In den Freilaufgehegen für die Hunde wachsen Weintrauben und Granatäpfelbäume, ein großer Kaktus spendet Schatten und es gibt sogar mehrere kleine betonierte Schwimmbecken für eine Abkühlung zwischendurch, welche gerne von den Hunden genutzt werden.

Im Haus ist es gemütlich und wohnlich, das Gästezimmer hat hübsche blaue Vorhänge und wurde im Wintergarten eingerichtet. Als ich aus den Fenstern schaue, fällt mein Blick direkt in das Gehege von Anne und ihren sieben Welpen. Sie sind erst vor wenigen Tagen durch einen Hilferuf von Urlaubern ins Tierheim eingezogen.

Wir trinken einen Kaffee und ruhen uns kurz von der Flugreise aus. Jetzt müssen die Tiere mit Futter versorgt werden und die Gehege gesäubert werden. Gabi kümmert sich um die Katzen, während ich mir von Marion die Arbeiten in den Gehegen der Hunde erklären lasse. Anschließend packen wir die Koffer aus und räumen die mitgebrachten Spenden ein. In der Zwischenzeit ist Türkan eingetroffen, die uns mit einer Umarmung begrüßt und schnell an die Arbeit geht.

Der erste Tag geht so schnell vorbei - fast zu schnell… Die Nacht ist kurz, aber ich schlafe gut und friedlich, in meinem Arm liegt Gulliver, ein goldiger Welpe, der seine Krankheit im Haus auskurieren durfte und schon eine Familie in Deutschland gefunden hat. Wir finden alle genug Schlaf, um am nächsten Morgen einigermaßen ausgeruht in der Küche einzutreffen und zu frühstücken. Lena verbringt heute ihren zweiten Tag im Katzenhaus und findet offensichtlich keine Langeweile beim Streicheln der Babykatzen. Mittlerweile habe auch ich mich etwas besser an die Hitze gewöhnt.

Heute fotografieren wir die Tiere und geben allen einen Namen, die bisher noch nicht benannt sind. Aber zuerst bekommen alle ihr Futter und es wird wieder sauber gemacht. Gabi holt sich während dem Fotoshooting einen Sonnenbrand auf den Schultern, was am Abend nicht zu übersehen ist. Ein abendlicher Ausflug ans Meer bringt eine wohltuende Abkühlung und die Kinder haben viel Spaß. Auf der Rückfahrt ins Tierheim halten wir bei McDonalds, damit die Kinder auch mal „vernünftig“ essen. Abends sitzen wir noch gemütlich in der Küche und der kleine Kater Raki spielt zwischen unseren Füßen.

Am letzten Tag verbringe ich so viel Zeit wie möglich bei den Hunden und denke immer daran, dass wir heute Nacht unsere Heimreise antreten werden. Ich weiß noch nicht, wann ich das nächste Mal fliegen kann und bin ein bisschen traurig. Die Schäferhündin Susann habe ich besonders in mein Herz geschlossen. Sie begleitet mich die ganze Zeit durch das Gehege und legt mir immer wieder ihre Pfoten auf die Schultern, um Schlabberküsschen zu verteilen. Auch Ronnie gefällt mir gut, so ein lieber und unkomplizierter hübscher Kerl, hoffentlich finden wir ein tolles Zuhause für ihn. Im Gehege der kleineren Welpen habe ich mich in Loulou verguckt, die Ähnlichkeit mit Mozart hat, der bis vor kurzem noch bei Gabi zur Pflege wohnte.

Gabi nimmt an diesem Tag mehrmals Abschied von ihrem Liebling Sunny. Marion scherzt, dass sie ihn auf keinen Fall zu Gabi in Pflege zu schicken kann, weil Sunny dort wahrscheinlich einen Dauerplatz erhalten würde.

Ich mache noch mal einen Rundgang durch das Tierheim, besuche Anne und ihre Welpen, wische noch mal die Box der anderen vier kleinen Babys und amüsiere mich über die Töne, die Tick, Trick, Track und Daisy von sich geben, sobald ich sie auf den Arm nehme. Ein lustiges Glucksen, das ich in Deutschland vermissen werde. Alle Tiere werden mir fehlen und vor allem Marion und Sülley, wie nach jedem Besuch.

Abends holen wir die Hunde Lena und Benny aus dem Gehege und nehmen sie mit ins Haus. Die beiden werden uns nach Deutschland begleiten. Lena unternimmt noch einen Ausflug nach draußen, weil Sülley die Koffer in den Bus bringt und das Tor offen steht. Ein kurzer Schreck, aber Lena lässt sich sofort zurückrufen und kommt wieder ins Haus. Sie bekommen ihre Beruhigungstablette und krabbeln in ihre Transportboxen. Noch ein letzter Blick zu den Tieren, dann fahren wir los in Richtung Flughafen. 

Vor dem Flughafengebäude verabschieden wir uns von Sülley, der weiterfährt und den Bus parkt. Es ist nicht viel los und nach einer kurzen Wartezeit können wir unser Gepäck einchecken. Wir setzen uns mit Marion zu einem Abschiedsgespräch an einen Tisch und reden noch einige Minuten über die vergangenen Tage. Wie immer ist der Abschied traurig und ich möchte noch bleiben. Lena ist müde und möchte wieder zurück zu den Katzen. Wir umarmen Marion, wünschen ihr alles Gute und verabreden uns auf ein nächstes Mal - hoffentlich bald.

Als wir die Rolltreppe hinauf fahren, winkt Marion uns noch hinterher, bis wir uns nicht mehr sehen können. Wir steigen in unser Flugzeug und finden auf unserem Rückflug nur wenig Schlaf. Landung in Köln, hier geht alles sehr schnell und wir müssen auf unser Gepäck nicht lange warten. Benny und Lena sind noch müde und warten in ihren Boxen. Beide fahren mit Gabi nach Hause und Lena wird nach vier Tagen zu ihrem Frauchen gebracht. Benny lebt mittlerweile bei Pflegefrauchen Sandra in Oberhausen und wartet noch auf ein Zuhause.

Ich warte auf meine nächste Möglichkeit, unser Tierheim zu besuchen. Vielleicht schon im Spätherbst, wenn Zeit und Geld es zulassen, wer weiß… Und allen, die noch nie im Tierheim gewesen sind, kann ich diese Reise nur empfehlen - es lohnt sich und Hilfe wird dort immer benötigt. 

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