Die große Reise von Kater Sülle oder - wie er und Mopsi das halbe Dutzend komplett machen

Bericht von Ilona Albert

 

Anfang Januar stieß ich zufällig auf die Seite von Herztier.com. Sofort machte ich mir Gedanken, was ich tun kann, da ich Anfang März nach Antalya fliegen würde. Ich selbst lebe mit meinem Mann und Sohn in der Nähe von München und seit Jahrzehnten haben wir Katzen. Zu dieser Zeit lebten Charly, 12, Chio 8, Bounty 1 1/2 und Citta 2, in unserem Haus. Es waren alles zurückgelassene oder ausgesetzte Tiere. Hunde, die wir auch sehr gerne haben, konnte ich wegen Krankheitsgründen nicht aufnehmen, da ich Dialysepatientin bin und wegen Knochenkrankheit auch im Rollstuhl sitze. Mein Mann schickte mich alleine weg, da jemand ja für die Tiere und dem Geschäft zu Hause bleiben mußte.


Somit kam mir die Idee, mich als Flugpatin zur Verfügung zu stellen. Weiters kümmerte ich mich um Arzneimittel, die meine Freundin in der Praxis entbehren konnte, damit eben auch etwas für alle Tiere bei Marion tun zu können. Mit Marion nahm ich dann auch gleich Kontakt auf, fragte an, was Sie noch brauchen würde und ob ich einen Hund oder Katze nach München mitnehmen kann. In der Türkei angekommen, sprach ich sofort mit Marion und machte einen Termin aus, an dem mich Ihr Mann vom Hotel abholen möchte.

 

Dort dann angekommen, war ich über die vielen armen Kreaturen sehr erschüttert und bewunderte das Engagement von Marion und Ihrem Mann. Was die dort leisteten, war und ist phänomenal. Als ich so beim Gespräch mit Marion saß, kam ein Tigerkater geradewegs auf mich zu, schnurrte um meine Beine und eroberte mit seiner Art bereits mein Herz. Ein anderer Tigerkater war aber ebenso lieb und die Frau Rot gefiel mir auch gut und die Weiße war auch so nett. Kurzum, am liebsten hätte ich alle sofort mitgenommen. Aber am liebsten war mir Sülle. Marion jedoch sagte mir, dass sie diesen Kater so liebt, dass sie ihn nicht hergeben würde. Nun gut, so entschied ich mich für Mopsie, der aber erst im Juni zu mir kommen konnte. Dann fuhr ich mit Marions Mann in einen großen Supermarkt und kaufte für die Hunde und Katzenfutter als kleine Spende. Man muss wissen, dass dieses Futter für Tiere enorm teuer ist, ein 15 kg Sack kostet um die 40,00 Euro. Bei meinem 2. Besuch dann war wieder Sülle sofort um mich rum. Ich kraulte ihn und er schnurrte sich zu Tode. Da kam Marion mit der Sprache raus und meinte, wie Sie mich kennen gelernt hat, hätte es Sülle bestimmt gut bei mir und sie würde ihn mir mitgeben, zwar schweren Herzens, aber andere Katzen brauchen ja auch wieder Platz. Nachdem alle Papiere für Sülle ok und bereit waren, konnte ich ihn am 28.3. mit nach München nehmen. Was freute es mich, ich rief sofort meinen Mann an, der wußte, dass es keinen Zweck hatte, mich davon abzubringen. Aber Mopsie bekommt auch im Juni sein neues Heim, eine Freundin, die dort dann Urlaub macht, nimmt ihn dann mit, so werden es dann ein halbes Dutzend. Nochmals kaufte ich Trockenfutter für die Hunde ein und als Abschiedsgeschenk versorgte ich die Katzen mit Rinderhack, das Marion dann kochte.


Dann ging Sülle mit auf große Reise. Eigentlich sollten wir um 17.00 Uhr in München ankommen, aber durch widrige Umstände landeten wir erst um 20.30 Uhr. Ich bewunderte Sülle, der keinen Mucks von sich gab, stundenlang eingesperrt in seinem Katzenkäfig. Immer wieder machte ich sein Gitter etwas auf, gab ihm Wasser und das wichtigste, Streicheleinheiten und er schnurrte und schnurrte. Dann nahm uns mein Mann freudig in Empfang. Im Auto habe ich Sülle aus seiner Kiste befreit, mein Mann meinte dann noch trocken "Ich habe hinten eine Plastikdecke, falls er sein Geschäft machen muss". Doch Sülle setzte sich auf meinen Schoß, schaute interessiert aus dem Fenster und blieb dort bis wir zu Hause waren. Auch mein Mann war sofort überzeugt, dass ich diesen Kater mitnehmen mußte!

 

Wir trugen ihn dann zu mir in das Schlafzimmer (bedingt durch meine Krankheit benötige ich ein Spezialbett), dort hatte mein Mann schon alles vorbereitet gehabt, vom Katzenkisterl bis Futter. Und wie der Blitz ging Sülle auf sein Clo und erleichterte sich nun. Die nächste Zeit sollte Sülle vor allem nachts bei mir bleiben, damit sich unsere alte Mannschaft an ihn gewöhnen kann. Aber Sülle entwickelte sich nicht zu einem stolzen Kater- nein, er wurde zu meinem Hund! Überall wo ich hinging, in's Büro, zur Dia im EG, in das Bad, im Schlafzimmer, Sülle verfolgte mich auf Schritt und Tritt. Ging ich wirklich mit meinem Mann kurz weg, so mußten wir darauf achten, dass er nicht im Auto sprang und mitfuhr und wenn wir zurückkamen, dann sass er in der Diele auf der Kommode und wartete. Bei meiner 5stündigen Dialyse liegt er bei mir auf der Dialyseliege und schläft.

 

Er hat sich in der Zwischenzeit auch mit meiner Crew arrangiert, die es gewöhnt sind, dass mal wieder was Neues mit rumläuft und nachdem Sülle ja auch sozial mit anderen Katzen vereint war, gibt es mit ihm auch keine Schwierigkeiten. Er könnte nun sogar in den Garten, aber da geht er nur, wenn ich im Garten bin. Sonst schläft er nachts an mich angelehnt von 11.00 Uhr bis zum 8.00 Uhr früh, ohne sich zu rühren. Er genießt es sichtlich, dass immer jemand in seiner Nähe ist. Meine anderen Katzen werden jedoch nicht benachteiligt, Bounty und Charly schlafen bei meinem Mann und Citta (war früher bei mir) übernachtet nun bei meinem Sohn, während Chio schon immer etwas verwildert war und am liebsten unter der Heizung liegt.

 

So haben wir also nun 5 Katzen, wenn Mopsi dann noch kommt ein halbes Dutzend. Bin gespannt ob sich Sülle an ihn erinnern wird. Da wir aber schon seit Jahrzehnten immer mehrere Katzen zusammen haben, ist dies für uns kein Problem. Sülle hat alle Herzen mit seiner Anhänglichkeit und Liebe erobert und wird gehätschelt und getätschelt. Wir hoffen, er hat ein langes Leben bei uns. Danke Marion, dass ich ihn doch mitnehmen durfte, die 120,00 Euro für ihn haben wir gerne bezahlt und werden für Mopsie das Gleiche tun.
 

  
 

 

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