Bahia und Banja - Rettung vor dem sicheren Hungertod

 

 

 

Winterende auf Mallorca, wir schreiben das Jahr 2007. Heidis Telefon schellt und sie spricht mit einer aufgeregten Frau, die von zwei Hunden in größter Not berichtet. Sofort macht sich Heidi auf den Weg und trifft sich mit der Anruferin, die noch eine Freundin mitbringt. Die beiden Frauen erzählen, dass sie sich seit mehreren Wochen um zwei Hunde kümmern, die völlig allein gelassen auf einem Feld leben. Sie bringen Futter und Wasser, denn der Besitzer lässt sich nur alle 14 Tage kurz blicken, um ihnen ein paar Brocken Futter in den Matsch zu werfen.

 

Heidi möchte die beiden Hunde sehen und lässt sich an den Ort führen. Dort angekommen, traut sie ihren Augen nicht… Auf einem Feld findet sie zwei große Podencas, offenbar Schwestern, vielleicht gerade mal ein Jahr alt. Beide Hündinnen sind angebunden, ein dünner und nur wenige Zentimeter langer Strick ist an einem Pflock befestigt. Der Zustand der Hündinnen ist grausam! Völlig abgemagert, jeder Knochen ragt aus dem Körper heraus, seit Monaten müssen die Hunde keine richtige Nahrung mehr bekommen haben… Einen Unterschlupf gibt es nicht, Wasser bekommen sie aus Pfützen, wenn es geregnet hat. Liebe, Streicheleinheiten, freundliche Worte… das alles kennen beide Hunde nicht!

 

Eine Anzeige bei der Polizei wird gemacht. Als Ergebnis stellt sich heraus, dass der zuständige Polizist mit dem Besitzer der Hunde verwandt ist und ihm rät, einfach zum vereinbarten Überprüfungstermin Futter und Wasser zu den Hunden zu stellen. Als Polizist und die besorgten Frauen an den Ort kommen, sind die Hunde bestens versorgt! Dass es keine Hütte gibt, scheint den Polizisten nicht zu interessieren und er beendet die Sache mit den Worten „Alles in Ordnung, es gibt nichts zu bemängeln.“

 

Wenige Tage später beginnt es zu regnen, der Wetterbericht sagt eine lange Unwetterperiode an. Heidis Gedanken drehen sich nur noch um die beiden Hunde. Als der Regen beginnt, kann Heidi nicht mehr warten und in der gleichen Nacht fährt sie los, zusammen mit einer weiteren Tierfreundin. Am Ort der beiden Hündinnen angekommen, finden sie beide knietief im roten Matsch stehend vor. Sie können sich nicht hinlegen, dann wären sie sofort versunken und erstickt. Immer tiefer rutschen die Schwestern in die Erde, ihre Augen angstvoll geweitet. Heidi fährt den Wagen auf das Feld - niemand ist weit und breit zu sehen. Am Tag waren überall Menschen in der Nähe, doch nachts im Regen ist die Gegend wie ausgestorben.

 

Dann geht alles ganz schnell, die Stricke werden durchgeschnitten, die Hunde ins Auto gehoben, Kofferraum zu und los gehts… Das ist jedoch nicht so einfach, denn die Reifen drehen im Schlamm durch. Es dauerte lange Minuten, bis die beiden Frauen den Wagen auf die Straße bekommen. Heidi ist einem Nervenzusammenbruch nahe - wenn diese Rettung scheitert, soviel ist ihr klar, sterben die Hündinnen. Sie verhungern, verdursten oder können sich durch ihre Schwäche nicht mehr auf den Beinen halten und versinken im Schlamm… Heidi schafft es und kann Bahia und Banja zu sich holen!

 

Viele Tage bangen wir um das Leben von Bahia und Banja, da ihr Zustand so schlimm ist. Als Heidi ihnen zum ersten Mal in ihrem Leben ein weiches Bett einrichtet und sie immer gefüllte Futter- und Wassernäpfe haben, wirken die beiden Schwestern fast so, als könnten sie damit nichts anfangen… Ihr trauriger und angstvoller Blick verschwindet erst nach vielen Wochen, dann dürfen beide nach Deutschland fliegen.

 

Bahia und Banja ziehen in unterschiedliche Pflegestellen ein, leider müssen wir sie trennen… Bahia findet als erste Schwester ein Zuhause, wie es traumhafter nicht sein könnte. Hier lebt sie auf, darf bei ihrer liebevollen Familie zusammen mit anderen Hunden, auch Podencos, durch den riesigen Garten toben und beginnt wieder zu Lächeln. Endlich ist Bahia ein vollkommen glücklicher Hund - das haben wir ihr von Herzen gewünscht.

 

Banja wartet viele Monate in ihrer Pflegestelle, bis diese sie nicht mehr behalten kann. Der Gedanke an einen weiteren Pflegestellenwechsel für Banja stimmt uns traurig. Die sensible Hündin brauchte bereits viele Wochen und Monate, um sich in ihrer Pflegestelle einzuleben, nun soll sie noch mal wechseln und auch diesmal nicht auf einen Endplatz…Dann geschieht ein Wunder! Bahias Familie stellt sich als Pflegestelle zur Verfügung. Die Ankunft von Banja ist unbeschreiblich. Mit Gänsehaut und Tränen in den Augen stehen die Menschen im Garten und beobachten die Zusammenführung der beiden Schwestern. In der ersten Sekunde erkennen sie sich wieder, Banjas Zurückhaltung ist wie weggeblasen und beide Schwestern toben durch den Garten. Ein unbeschreiblicher Glücksmoment! Nach wenigen Tagen erfahren wir, dass es bereits ein Happy End für Banja und Bahia gibt, denn sie können nicht mehr getrennt werden. Schnell hat ihre Familie gemerkt, dass Banja bleiben muss. Und sie darf bleiben, für immer!

 

Für uns alle ist die Geschichte von Banja und Bahia so schrecklich, so viele Nerven und Angst hat sie uns gekostet und sie hat am Ende das größte Glücksgefühl in uns hervorgerufen. Ein Happy End, wie es oft nur geträumt wird - Banja und Bahia dürfen es leben!

 

 

 

 

 


 

 

 

 

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