Die Podencos von Es Cubells

 

Rettungsaktion im Juni 2007:

Durch eine gemeinsame Rettungsaktion, organisiert durch den Madrider Tierschutzbund (FAPA), der Gemeinde San José, der Orts- und Tierschutz-Polizei sowie der ALBA, Amnistia Animal und ANAA konnten mit Hilfe von vielen spanischen Tierschützern am Wochenende 8./9. Juni 2007 rund 50 Podencos des "Züchters" Bartolomé Mari Ribas, genannt "Sendic" im Ort Es Cubells auf der Insel Ibiza beschlagnahmt werden. Trotz des Versuchs, diese Aktion möglichst geheim zu halten und alle Beteiligten erst kurz vorher zu informieren, wurde Bartolomé vorgewarnt und konnte mit ca. 30 seiner Hunde in die Wälder flüchten. Alle Beteiligten erschienen am Freitagmorgen an seinem Wohnort, wurden jedoch von seiner Abwesenheit überrascht. Mit Lebendfallen konnten im Verlauf des Vormittags 10 Hunde eingefangen werden. Zwischenzeitlich wurde Bartolomé von der Polizei gefunden und zurückgebracht. Die Hunde konnten jedoch aufgrund ihrer großen Scheu nicht eingefangen werden. So mussten die Helfer warten, bis die Hunde nach und nach ins Tal zurück kamen. Die Rettungsaktion dauerte die ganze Nacht über und insgesamt konnten 50 Podencos eingefangen werden. Alle erhielten einen Mikrochip und eine fortlaufende Nummer an ihrem Halsband.

 

Der Zustand der Hunde war erschütternd und ist kaum zu beschreiben. Einige von ihnen mussten auf Grund ihres kritischen Zustandes in Kliniken eingeliefert werden. Es wird lange dauern, bis sie einigermaßen gesund und zu Kräften gekommen sind. Alle sind unterernährt, voller Räude, von Zecken und Flöhen übersäht und total verschreckt.

Auch ein Wochenende später konnten noch weitere verbliebene Hunde eingefangen werden.

Alle Podencos wurden auf verschiedene spanische Tierheime verteilt oder bei privaten Tierschützern untergebracht.

 


ALBA hatte die Möglichkeit, mit Bartolomé zu sprechen und er sagte, dass - wenn ihm seine Podencos genommen würden - er schon Absprache mit den Jägern der Insel getroffen hätte und jeder ihm einen Podenco zum Züchten übergeben würde! Der Sinn seines Lebens bestünde darin, sich mit mindestens 100 Podencos zu umgeben und es würde nicht lange dauern, bis er sie wieder um sich hätte...

Es bleibt zu hoffen, dass sich diese Zustände nicht abermals wiederholen und Bartolomé endlich ein Zuchtverbot auferlegt wird sowie eine regelmäßige konsequente Kontrolle stattfindet. Die Hoffnung bleibt durch die große Anzahl der spanischen Tierschützer, die sich vor Ort engagierten. Ebenso ist die große Präsenz in der spanischen Presse von Vorteil.

 

Herztier hat zwei der geretteten Podencos aufgenommen. Die beiden Rüden haben nun ausreichend Zeit, sich in unserer Auffangstation in Artà zu erholen und endlich zur Ruhe zu kommen. Zum ersten Mal in ihrem Leben wird ihnen eine medizinische Behandlung zuteil und sie haben ausreichend Futter und Wasser zur Verfügung. Beide Rüden sind noch jung und Rodrigo können Sie bereits auf unserer Vermittlungsseite sehen. Wenn sie zur Ruhe gekommen sind, werden beide Hunde kastriert.

 

Spanischer Fernsehbericht über die Rettungsaktion

Video Es Cubells 1

Video Es Cubells 2

Video Es Cubells 3

Video Es Cubells 4

 


 

Wir danken dem Verein Die Tierfreunde e.V. für die freundliche Genehmigung zur Veröffentlichung des folgenden Artikels auf unserer Homepage.

 

Eine nie enden wollende Tragödie auf der Sonneninsel Ibiza

Bis aufs Skelett verhungerte Tiere liegen im Wald nahe dem Grundstück des Züchters B., an der Straße angefahrene Hunde, unter einem Strauch in einem Erdloch winselnde Welpen. Statt unbeschwertem Sommerurlaub unter Ibizas Sonne erleben Touristen auf der schönen Baleareninsel auch dies: Tierelend unfassbaren Ausmaßes. Der Anblick ausgemergelter, kranker Hunde am Straßenrand als Urlaubsimpression wird vielen Urlaubern auch nach den Ferien noch im Gedächtnis bleiben und ihnen nochmals die Tränen in die Augen treiben. Auch wenn es für uns Alltag ist, sind wir doch immer wieder aufs Neue zutiefst erschüttert über das Leid, welchem wir tagtäglich begegnen und über die Ignoranz, mit der manche unserer Mitmenschen dem Schicksal der geschundenen Tiere begegnen.

Ibiza: Sommer 2005: Die Podencos des Züchters B. irren auf der schönen Baleareninsel hungrig und nach Futter bettelnd an der Landstraße herum. Sie haben Verletzungen, sie haben Tumore, ihr ist Fell zerfressen von jahrelangem Parasitenbefall, manche sind bis auf die Knochen abgemagert. Die als Gebärmaschinen missbrauchten Hündinnen müssen werfen, bis sie keine Kraft mehr haben, die ausgelaugten Zuchthündinnen mit ihren hängenden, entzündeten Gesäugen, teilweise mit großen Tumoren, sind einfach nur mitleiderregend. Ihrem skrupellosen Besitzer sind diese Hündinnen, solange sie bei minimalstem Aufwand gut verkäufliche Welpen gebären, eine sehr einträgliche Einnahmequelle. Die Hunde werden durch ihren Besitzer, der zeitweise über 100 dieser Hunde hält, nur mangelhaft versorgt, einen Tierarzt sehen sie augenscheinlich nie. Züchter B. behandelt seine kranken Hunde – wenn überhaupt - selbst: so hat er den von Flöhen und anderen Parasiten geschundenen Tieren, die sich überall wundgekratzt haben, „zur Behandlung“ Dieselöl auf die offenen Wunden geschmiert. Auch soll B. kranke und alte Hunde erschossen oder totgeschlagen und anschließend den anderen zum Fraß vorgeworfen haben.

Seit vielen Jahren kümmern sich engagierte Tierschützer auf Ibiza um diese Podencos, sie werden streunend auf der Insel aufgefunden, die Tierschützer holen sie aus der Perrera, fast täglich wenden sich entsetzte Touristen und Tierfreunde an sie, bitten um Hilfe und bringen ihnen ausgetrocknete, halb verhungerte oder angefahrene Hunde, die sie in Es Cubells auf der Straße aufgelesen haben. Doch das Elend bei der Wurzel packen können die Tierschützer nicht: ohne ein rigoroses Eingreifen durch die Behörden wird das unglaubliche Leiden und das Elend der Podencos bei B. nie Ende nehmen. Viele Podencos konnten sie in den letzten Jahren retten, doch genau so viele werden eine tragisches Ende gefunden haben: den Tod auf der Straße, verhungert im Wald oder durch Krankheiten zu Tode gekommen. Für sie und jeden anderen Tierfreund ein überflüssiger und sinnloser Tod unschuldiger Lebewesen, für den Züchter „natürliche Selektion“.

Den Behörden ist das skrupellose Treiben des Züchters bekannt: seit Jahrzehnten züchtet B. den Podenco Ibicenco, die Hunderasse Ibizas. Im Januar 2003 nahmen Vertreter des Inselrates nach zahlreichen Anzeigen von Tierschützern Züchter B., wo die Hunde unter unvorstellbaren Bedingungen wie auf einer Müllkippe unter anderem in Schrottautos und Käfigen hausen mussten, die Hunde weg und überführten sie in die städtische Perrera. Etwa 60 der Podencos wurden beschlagnahmt, ein Teil jedoch blieb in Es Cubells zurück, weil die scheuen Hunde nicht eingefangen werden konnten. Monatelang war unklar, was mit den sichergestellten Hunden geschehen sollte, nach der Freigabe kümmerten Tierschützer sich um neue Plätze für die Podencos, einige von ihnen kamen in deutsche und spanische Tierheime zur Vermittlung. Viele der Podencos, vor allem die ungeimpften Welpen, sind wahrscheinlich in der Perrera gestorben. Ob Züchter B. vielleicht aufgrund guter Kontakte sogar welche von seinen Hunden wiederbekommen hat, ist unklar. Das Schlimme ist: trotz der Beschlagnahmung der vielen Podencos war Züchter B. nie ohne Hunde und konnte sein einträgliches Geschäft ungehindert weitertreiben und mit seinen Hunden auf die Jagd gehen. Außer dass sein Grundstück, wo die meisten seiner Hunde leben, jetzt eingezäunt ist, hat sich auch trotz der Auflagen der Behörden nichts geändert, davon zeugen die Podencos aus Es Cubells, welche auch in diesem Moment von Tierschützern wieder aufgepäppelt und medizinisch versorgt werden müssen. Die Podencos, die bei ihnen landen, sind oftmals am Ende ihrer Kräfte, kahl, unterernährt und krank, und es braucht manchmal Wochen und Monate intensiver Pflege, bis die Hunde so weit sind, dass man versuchen kann, ein neues Zuhause für sie zu finden.

Die Behörden haben bisher nicht dafür gesorgt, dass Züchter B. die im Jahr 2003 gemachten Auflagen erfüllt, davon zeugen die z.Zt. etwa 50 Podencos, die krank und nach Futter bettelnd an der Landstraße herumlaufen. Züchter B. hatte u.a. zur Auflage bekommen, seine Hunde nicht mehr frei herumlaufen zu lassen, ausreichend mit Futter und Wasser zu versorgen und kranke Tiere medizinisch behandeln zu lassen. Angeblich wurde ihm sogar ein Tierhalte- und Zuchtverbot auferlegt: in diesen Fall wird Zucht und Haltung sicherlich wie in solchen Fällen üblich nun offiziell von einem Familienmitglied betrieben, womit das ausgesprochene Verbot einfach hintergangen wird. Auch neuerliche Anzeigen des Züchters von Seiten einer großen deutschen Tierschutzorganisation brachten bisher keinen Erfolg (mehr dazu weiter unten). Ganz im Gegenteil: die Tierfreunde auf Ibiza sind sich sicher, dass B. aus diesem Grund viele seiner kranken Hunde jetzt schnell von der Straße „verschwinden“ lässt, um keinen Ärger zu bekommen. Die Sorge ist groß, dass er die Podencos einfach erschießt oder auf andere grausamste Weise entsorgt.

Für die Podencos in Es Cubells gibt es nur eine Hoffnung: ein konsequentes Durchgreifen der zuständigen Behörden, damit ihr Leiden endlich ein Ende hat. So lange dies nicht geschieht, können die Tierschützer nichts tun als sich um die Folgen des miesen Geschäftes von Züchter B. und der Untätigkeit der Behörden zu kümmern und weiterhin immer neue todkranke Podencos und den vom Züchter als „Ausschuss“ aussortierten Nachwuchs aufnehmen. Eine zermürbende Aufgabe, denn kaum konnten einige dieser armen Geschöpfe gerettet werden, folgen schon die nächsten nach. Jeder so gerettete Podenco ist alle Mühe wert, doch es ist leider nicht die Lösung des Problems. Die Flut der Hunde stellt die Tierschützer auf der Insel vor das nächste Problem: die Hunde können nicht alle auf Dauer bei ihnen bleiben, da dafür die Kapazitäten niemals ausreichen. Interessenten, die bereit sind, einen Podenco aus Ibiza bei sich aufzunehmen und ihm ein schönes und dauerhaftes Zuhause bieten können, können von uns gerne weitere Informationen zu den Besonderheiten dieser wunderbaren Tiere bekommen und über uns Kontakt zu unseren spanischen Freunden vor Ort aufnehmen.


Hintergrund

Im Jahr 2002 begann der Deutsche Tierschutzbund unter Führung von Wolfgang Apel eine medienwirksame „Rettungsaktion“ der Podencos von Es Cubells, die sicherlich viele Spendengelder deutscher Tierfreunde einbrachte (und in nicht unerheblicher Höhe verschlungen hat). Während der Deutsche Tierschutzbund von einer „erfolgreichen Rettungsaktion“ berichtet, zeigt sich in Es Cubells zur Zeit leider sehr deutlich, wie „erfolgreich“ die Tierschutzbund-Aktion war. Sicherlich wurden damals einige der Podencos gerettet, aber das Leiden der anderen hat dadurch mitnichten ein Ende genommen. Das Tun des Züchters B. wurde dadurch nicht verhindert, was auch dem Tierschutzbund bzw. Herrn Apel, der die Insel Ibiza als Urlaubsparadies schätzt, sicherlich bekannt sein dürfte. Der Tierschutzbund jedoch berichtet: Züchter B. wurde das Handwerk gelegt – dass dies leider nicht so ist, beweisen die katastrophalen Zustände vor Ort.

Die 2003 beschlagnahmten Podencos wurden nach ihrer Freigabe aus der Perrera und monatelanger Ungewissheit zum Teil in deutsche Tierheime verbracht und in Familien vermittelt, einige kamen in ein spanisches Tierheim. Was diese Gruppe Podencos anbelangt, die in ein Tierheim des Deutschen Tierschutzbundes nach Mallorca überführt wurden: ihnen steht nun ein Leben weggesperrt hinter Tierheimgittern bevor, denn der Verein hat beschlossen, die Podencos nicht weiter zu vermitteln, sondern für den Rest ihres Lebens im Tierheim einzusperren, weil sie ja „so etwas besonderes“ sind. Eine Vorgehensweise, die andernorts auf viel Unverständnis stößt.

Nach einer erzürnten Beschwerde einer Ibiza-Touristin im August 2005, die das Elend mit eigenen Augen sehen musste und sich vom Deutschen Tierschutzbund durch die nicht den Tatsachen entsprechende Berichterstattung hintergangen fühlte, nahm der Tierschutzbund den Bericht stillschweigend von seiner Homepage. Verwunderlich, dass dies so spät geschah, denn der Tierschutzbund selbst wusste die ganzen letzten Monate schon von den verheerenden Zuständen in Es Cubells: er erstattete schon vor Monaten erneut Anzeige. Die Touristin wirft dem Tierschutzbund vor, bewusst zahlungskräftige Tierschützer mit der entsprechend positiven Berichterstattung zu täuschen, um Mitgliedsbeiträge und Spenden zu kassieren. Ein weiterer tragischer Effekt der neuerlichen Anzeige dürfte sein, dass Züchter B. nun vorgewarnt ist und die Möglichkeit hat, seine kranken Hunde verschwinden zu lassen, um den Ärger mit den Behörden zu minimieren. So fehlen jetzt schon viele der schwer kranken Hunde, sie sind wie vom Erdboden verschwunden. Hat Züchter B. sie getötet?

Tierfreunde in Spanien und Deutschland wollen und können sich nicht damit abfinden, dass scheinbar im Fall des Züchters B. keine Lösung zu finden ist. Die katastrophalen tierquälerischen Umstände unter denen die Podencos leben und sterben müssen, sind nicht länger hinzunehmen – die Behörden müssen endlich handeln. Es gab Mutmaßungen, zwischen Züchter und Jäger B. und den Behörden existierten „mafiöse Verstickungen“ und aus diesem Grunde bliebe B. unbehelligt. Naheliegender jedoch ist vielleicht, dass die Behörden noch nicht begriffen haben, dass dieser Fall von Tierelend auf Ibiza nicht nur den betroffenen Tieren, sondern dem ganzen Inseltourismus schadet: denn das, was man an der Landstraße in Es Cubells sieht, in dem schönen Ort, in dem schon Prominente wie Jean-Paul Belmondo residierten, todkranke, kraftlose und ausgehungerte Podencos am Ende ihrer Kräfte, wird auf Dauer nicht nur Tierfreunde schockieren, sondern auch die Touristen fernhalten.

Vorstandsmitglieder der deutschen Organisation „die Tierfreunde e.V.“ sind durch befreundete Tierschützer auf Ibiza die Zustände in Es Cubells schon lange bekannt. So machten sie sich bereits 2003 dafür stark, dass die ehemaligen Es-Cubells-Podencos nach der Freigabe aus der Perrera schnell und unbürokratisch vorübergehende Aufnahme auch in deutschen Tierheimen fanden, so auch in dem Tierheim, in welchem sie derzeit tätig waren. Diese Podencos, ganz junge, ganz alte, fanden alle schnell ein liebevolles Zuhause in deutschen Familien und führen nun ein glückliches und unbeschwertes Leben.


Der Podenco Ibicenco ist eine alte mediterrane Laufhundrasse, welche in Spanien vorwiegend zur Jagd auf Kaninchen und Hasen gezüchtet und benutzt wird. Die edlen stehohrigen weißen, roten oder rot-weißen Hunde erfreuen sich aber mittlerweile auch im restlichen Europa und Amerika immer größerer Beliebtheit. Seinen Ursprung hat diese Rasse bei den alten Ägyptischen Windhunden. Eigentlich ist er als die alte Hunderasse Ibizas ein „Kulturgut“ – behandelt wird er jedoch kaum so. Die Podencos, die zur Jagd oder zur Zucht nichts taugen, landen auf der Straße, in der Perrera oder werden von ihren Besitzern anderweitig entsorgt. Weit verbreitet ist auch auf Ibiza noch die Kettenhaltung der als Jagdhunde genutzten Podencos: angekettet an einer Blechtonne oder ähnlichem fristen sie ihr bedauernswertes Leben.

 

 

 

 

 

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